Bauen mit Stroh

Gelungener Informationsabend zum Thema Bauen mit Stroh (carmen-eV 2017)

Am Donnerstag, den 14. März 2017, veranstaltete C.A.R.M.E.N. e.V. im Schulungs- und Ausstellungszentrum (SAZ) des Kompetenzzentrums für Nachwachsende Rohstoffe (KoNaRo) in Straubing den Informationsabend "Bauen mit Stroh – Klima schützen, Kosten sparen".
Über 50 Teilnehmer – potenzielle Bauherren, Energieberater, Handwerker und Architekten – kamen zusammen, um sich zu den Potenzialen des Strohbaus zu informieren sowie Anforderungen und mögliche Hemmnisse zu diskutieren.

Diplom-Geoökologin Julia Lehmann von C.A.R.M.E.N. e.V. sprach über den aktuellen Wissensstand zum Baustoff Stroh. Die Anfänge des Strohbaus seien im späten 19. Jahrhundert in Nebraska zu verorten, einem holzarmen Gebiet mit großen Gras- und Getreideflächen. Seit den 1980er Jahren erlebte der Baustoff Stroh eine Renaissance auch in Europa. Hierzulande gebe es für die mit Stroh ausfachende Bauweise dank erfolgreicher Grundlagenarbeit des FASBA (Fachverband Strohballenbau Deutschland e.V.) eine bauaufsichtliche Anerkennung.
Heute seien Niedrigenergie-, Passiv- und sogar Plusenergiegebäude mit Strohdämmung erstellbar. Gegenüber konventionellen Massivbauweisen sei die Strohbauweise hinsichtlich des Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutzes ein Multitalent.

Der Fürstenfeldbrucker Architekt Jörg Schöbel gab in seinem Vortrag Einblicke in Theorie und Praxis des Strohballenbaus als zeitgemäßer Nachfolger des altbewährten Fachwerkbaus. Diese langlebige und solide Bauweise glänze heute mit hervorragenden Wärmedämmwerten. Der Strohbau-Experte wies auf die bauphysikalischen Eigenschaften der Kombination von Holz, Stroh, Lehm und Kalk hin, die für ein angenehmes natürliches Raumklima sorgen. Er betonte, das Bauen mit Stroh sei eine Herzenssache. Es handle sich hier um ein reines Naturprodukt, da es ohne große maschinelle Verarbeitung und ohne jegliche Zusätze verwendbar sowie am Lebensende in den biologischen Kreislauf rückführbar sei. Bei Planung und Errichtung eines Strohballenhauses müssten aber einige entscheidende Regeln beachtet werden. Durchaus üblich sei es, das Stroh vom Landwirt des Vertrauens zu beziehen, jedoch nur nach Prüfung und Zertifizierung der Charge. Die verputzte Strohballenwand erfülle die Brandschutzanforderung nach einer feuerhemmenden Ausführung. Die Baukosten würden in etwa denen eines konventionellen Gebäudes entsprechen: "Ein Strohballen-gedämmtes Gebäude ist nicht billig, aber seinen Preis wert".

Gerhard Huppenberger von der gleichnamigen Firma berichtete über eine neuartige Strohdämmplatte, die in Kooperation mit der Hochschule Hof und der Franken Maxit GmbH in einem Forschungsprojekt entwickelt wurde. Die schwerentflammbare Platte soll vorrangig als direkt verputzbare Außendämmplatte zum Einsatz kommen.
Abschließend referierte Florian Bielmeier – Fachberater denkmalgeschützte Sanierung, Ökologische Baustoffe bei Franken Maxit – zu "Eigenschaften und Verwendbarkeit von Lehm- und Reinkalkputzen". Der Diplom-Restaurator betonte die Bedeutung der ökologischen Putze, denn "man wird beim Bauen mit Stroh keinen Kunstharzputz verwenden". Angetrieben von engagierten Denkmalpflegern und der Öko-Bewegung sei Lehm nun im 21. Jahrhundert wieder "in" und es gebe vielfältige Produkte. Für die Außenfassade eines Strohhauses empfiehlt der Experte Reinkalkputze. Diese seien sehr langlebig und witterungsbeständig.

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AnjaOdendahl