Position zum Altern

In Würde altern. Grüne Position zur Altenpolitik.

Die demografische Entwicklung Deutschlands zeigt eine eindeutige Tendenz: unsere Gesellschaft überaltert in rasantem Tempo. Diese tief greifenden Umwälzungen in unserem Land haben jedoch den Weg ins Bewusstsein der Menschen noch nicht gefunden. Laut einer Forsa-Umfrage von 2003 hat die Mehrheit der Befragten den Begriff demografischer Wandel noch nie gehört.
Wir werden von der Realität überholt und haben Mühe, jetzt noch den Anschluss zu finden. Bereits 2001 betrug der Anteil der Hochbetagten (älter als 75 Jahre) 8% an der bayerischen Bevölkerung. Der Anteil der unter 20-jährigen betrug 2001 nur noch ca. 20 % an der Gesamtbevölkerung Bayerns. Diese Tendenz verschärft sich zusehends.
Immer weniger Junge stehen immer mehr Alten gegenüber. Deutschlandweit reicht die Spanne von 16,2 % in Chemnitz bis 28,6% in Cloppenburg. (Statistisches Bundesamt 2003, Berlin Institut). Das bedeutet, Bayern bewegt sich im unteren Drittel – und keineswegs auf einem privilegierten vorderen Platz. Auch hier irrt die öffentliche Meinung gewaltig. Zum Thema alt werden, werden verkürzte Diskussionen geführt, die lediglich auf das Thema Pflege fokussieren. Diese Herangehensweise greift meilenweit zu kurz.
Es wird in Zukunft weder das Pflegepersonal, noch die Mittel aus Steuergeldern geben, die ein Bayern als Heimgesellschaft finanzieren könnten. Die stationäre Pflege wird jedoch immer ein wichtiger Bestandteil des Lebens im Alter bleiben. Und es ist von allergrößter Wichtigkeit, hier aktiv und streng Qualität einzufordern und zu sichern. Noch immer werden einfachste Forderungen, wie eine ausreichende Flüssigkeits- und Nahrungsversorgung für alte Menschen im Heim nicht flächendeckend erfüllt. Wenn die körperliche Unversehrtheit nicht mehr gewährleistet wird, haben wir es schlicht mit Menschenrechtsverletzungen zu tun. Umzudenken heißt nicht, an dieser wichtigen Front die Segel zu streichen, sondern lediglich den Blick zu erweitern. Bevor es zur stationären Pflege kommt bleiben zahlreiche Lebensjahre aktiv zu gestalten.
Und hier stellt sich die Frage nach einem menschenwürdigen Leben im Alter. Was ist es für ein Leben, im Pflegeheim vor sich hin zu vegetieren und ab 18:00 Uhr an die Decke zu starren, zu essen, was es eben zu essen gibt und auf den Tod zu warten – nicht selten bis zu 15 Jahren lang! Von einem Leben in Würde kann da keine Rede mehr sein. Und unserem Land geht wertvolles Potential verloren. Die Jungen sind zu wenige, um die Verantwortung für unsere Gesellschaft dauerhaft tragen zu können (jede Kindergeneration ist im Schnitt um ein Drittel kleiner als die seiner Eltern). Und das Potential der Alten wird gar nicht erst gesehen. Hier ist radikales Umdenken angesagt und das sofort!
Neue Wohnformen im Alter, Hausgemeinschaften, der konsequente Aufbau ambulanter Versorgungssysteme, sind Wege, die gangbar sind, wie zahlreiche erfolgreiche Projekte zeigen.
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AnjaOdendahl