Erste bespielbare Stadt

Kinderfreundlich und sicherer

Im hessischen Griesheim stehen Wolken auf Stelzen und Skateboards am Stiel am Straßenrand. Es ist die erste "bespielbare Stadt" in Deutschland. südhessische Griesheim bei Darmstadt so gewöhnlich wie andere Städte mit rund 27.000 Einwohnern.
Zum Ausruhen und Küssen.
Man sieht die blauen, roten und grünen Pflastersteine auf den Gehwegen nahe einer Schule. Anderswo steht ein Schwebebalken parallel zur Straße, und es gibt diese wolkenförmigen Gebilde auf Stelzen. "Die Spielobjekte sind bewusst nicht eindeutig", sagt Pädagogik-Professor Bernhard Meyer. "Mal kann sich die Oma drauf setzen, wenn sie außer Puste ist, mal kann sich die kleine Tini drauf stellen, damit sie ihren Freund besser küssen kann." Der Professor von der Evang. FH in Darmstadt forscht seit 30 Jahren über Spielräume von Kindern und Jugendlichen. Er ersann das Konzept der "Bespielbaren Stadt" für Griesheim, wo er selbst wohnt und im Bürgermeister einen Unterstützer fand.

Die Idee ist recht simpel:
Überall, wo Kinder häufig laufen, hauptsächlich auf ihren Schulwegen, wurden oder werden Spielobjekte installiert. Ein Skateboard auf einem biegsamen Stiel, eine kleine Aussichtsplattform mit einem Fernglas oder Findlinge und Baumstämme. Die Laufwege im öffentlichen Raum und somit die Stadt an sich würden so für Kinder attraktiver.
Seine Ausgangsüberlegung war, dass Kinder auf ihrem Weg durch die Stadt immer das gleiche sehen: Rechts die Hauswand, links die Autos und unten das einförmige Verbundsteinpflaster des Gehwegs. In Erhebungen in mehr als 70 Städten und Stadtteilen ließ Meyer sich das von Kindern bestätigen. In Griesheim gab er mehr als tausend Grundschülern Kreide in die Hand. Damit zeichneten sie ihre Wege auf.
Wo besonders viele Kreidestriche zusammenliefen, häufen sich heute auf einer Stadtkarte Griesheims gelbe, rote und grüne Punkte. Sie zeigen an, wo Spielobjekte in den Straßen stehen oder noch aufgestellt werden. Genau 101 sollen es sein, wenn das Projekt abgeschlossen wird. Die Stadt wird dann ein Spielwegenetz von 25 Kilometern Länge haben.
In Stadtteilen, wo Kinder sich eben bewegen, kann das jede Stadt nachmachen; breite Hauptstraßen sind nicht attraktiv, so die Befragung von vielen Kindern. Je mehr die Kinder selbst liefen, desto selbstständiger würden sie, ist Meyer überzeugt. "Drive-in-Kinder", die von ihren Eltern überall hingebracht würden, sind dem Professor ein ziemliches Ärgernis.
Das Konzept der "Bespielbaren Stadt", sagt der Professor, sei in der Wissenschaft seit Jahren Konsens. Die Städte sollten loslegen.

Zufriedene Kinder
Bürgermeister Norbert Leber: Familienfreundlich soll Griesheim sein. Der SPD-Politiker sagt, er binde Kinder in Entscheidungen der Stadtverwaltung ein. Einmal im Jahr empfange er Kinder zur Schülersprechstunde. Leber denkt, zufriedene Kinder könnten zufriedene Erwachsenen werden. Und später würden sie vielleicht am Ort ihres Glücks bleiben und nicht in die Großstadt verschwinden. Weil es dort keine Wolken auf Stelzen am Straßenrand gibt.

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AnjaOdendahl